Alte Weihnachtsbräuche und Traditionen

Weihnachten traditionell

Weihnachten – Fest der Liebe und der christlichen Besinnlichkeit. Doch woher stammen die gängigen Bräuche und wie begann man zu früheren Zeiten das traditionelle Fest? Was ist heute geblieben von der leicht sagenumwobenen stillen, heiligen Nacht in den damit verbundenen Feierlichkeiten anlässlich der Geburt Jesus Christus und wie kam es zum Wandel bis in die heute nahezu ausnahmslos vom Kommerz bestimmte Weihnachtszeit?

Von der Wintersonnenwende und dem Julbaum

Der Zeitraum gegen Ende des Dezembers hatte bereits vor der sich innerhalb Europas ausbreitenden christlichen Glaubenslehre eine überaus wichtige und förmlich mystische Bedeutung. Am 21 oder 22 Dezember verkörpert die Wintersonnenwende die längste Nacht des Jahres und war schon für frühe Kulturen wie beispielsweise die Kelten oder die Wikinger ein Grund zum Feiern. Die so bezeichnete „Nacht der Mutter Erde“ gab Anlass zur Hoffnung, da die Wiederkehr des Sonnenlichts die lange Zeit der Dunkelheit besiegte und sich der Kreislauf des Lebens fortsetzte. Einige der alten Völker praktizierten Bräuche finden sich auch heute noch im Fest der christlichen Weihnacht wieder und haben die Jahrhunderte überdauert.

Im Ritual der Wintersonnenwende galt es den Tisch reich zu decken und es gab allerlei Obst, Nüsse oder selbst gebackene Kuchen. Bei zahlreichen Stämmen des Nordens wurde ein im Freien stehende Baum aufwendig mit Rosenblüten, Äpfeln, kleinen Kräutersäckchen und allerlei bunten Bändchen geschmückt oder ein gefällter sogenannter „Julbaum“ erfüllte im Langhaus den gleichen Zweck. Aus immergrünen Nadelzweigen flochten die Menschen Kränze, auf denen fünf Kerzen brannten. Vier Flammen verkündeten dabei die Wochen bis zum großen Fest, welches von der letzten fünften Kerze in der Mitte des Kranzes symbolisiert wurde.

Die Geburt des Lichtes und die innere Einkehr

An Weihnachten Traditionen zu verinnerlichen, das war auch das Bestreben der Kirche. In vielen Bereichen ging es dabei allerdings im Wesentlichen die frohe Botschaft von der Geburt Christus zu verkünden. Innerhalb der Glaubenslehre geht es darum, das christliche helle Licht der göttlichen Welt im eigenen Inneren zu spüren und die Herzen zu öffnen. Der brennende Weihnachtsbaum mit seinen vielen Lichtern dient dabei als Anschauungssymbol dieser hellen Gegenwart. Das ursprünglichste Brauchtum der christlichen Weihnacht ist das Krippenspiel, in dem die Geschichte um die Geburt von Gottes Sohn veranschaulicht wird. Neben dem Weihnachtsbaum ist bis heute besonders innerhalb katholischer Familien die Krippe ein wesentlicher Bestandteil der Festtage. In vielen ländlichen Regionen war es üblich, das Krippenspiel selber zu bauen, mit handgeschnitzten Figuren und Tieren, von denen zu jedem Weihnachtsfest weitere hinzukamen.

Alte Weihnachtsbräuche und Traditionen

Weihnachten früher, das waren Bestandteile vieler Bräuche, die verschiedene Herkunft hatten. Viele dieser Besonderheiten haben sich weltweit unterschiedlich entwickelt und sind etablierten sich in den heimischen Wohnzimmern. Das gegenseitige Beschenken mit kleinen Gaben oder Leckereien ist bereits seit dem 16. Jahrhundert in der weihnachtlichen Tradition verankert und wurde bei Protestanten zum Heiligen Abend vollzogen, während innerhalb katholischer Familien die Bescherung für die Kinder zunächst fast ausschließlich am Nikolaustag stattfand. Die kirchlich geprägte Weihnacht entwickelte sich in der Christmesse, dem Gottesdienst, Abendmahl und Gebet. Zudem gewann das Singen immer mehr an Bedeutung, wie beispielsweise beim Quempas, einer Zusammenstellung von drei Weihnachtsliedern, die in geteilten Chorgruppen aus allen vier Seitenbereichen der Kirche klangvoll widerhallen.

Weihnachten wie bei Groß- und Urgroßeltern

Zu den Zeiten der großen Dichterfürsten bis zu den Zeiten des Wirtschaftswunders wurde das gemeinsame Singen oder auch Musizieren an den Weihnachtsfeiertagen zum unabdingbaren Standardprogramm. Stücke wie „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und „O du fröhliche“, dessen Melodie eigentlich von einem sizilianischen Seemannslied stammt, avancierten zu den bekanntesten deutschen Weihnachtsliedern. Im Gegensatz zu heute war ein Weihnachtsbaum im heimischen Wohnzimmer etwas ganz Besonderes und meist nur für die gehobene Bürgerschicht erschwinglich. Um an Weihnachten Deko oder anderen festlichen Schmuck in Szene zu setzen, bedurfte es vielerlei Improvisationstalent und so wurde viel gebastelt. Handwerkliche Arbeiten, Stickereien, Genähtes oder auch Gemaltes diente nicht nur der Zierde, sondern fungierte oftmals auch als Geschenk. Neben dem Singen wurden Geschichten vorgelesen und Gedichte vorgetragen, ohne die es für die meisten Kinder keine Bescherung gab.

Alte Weihnachtsbräuche und Traditionen

Ein wichtiger Bestandteil der Festtage ist auch das Weihnachtsessen und die vielen Leckereien. Je nach Region haben sich unterschiedliche Gerichte zum familiären Festschmaus entwickelt, darunter beispielsweise die klassische Weihnachtsgans, Ente oder Karpfen. Besonders in den Ballungszentren war es in früheren Zeiten für viele Familien gar nicht so einfach einen Weihnachtsbraten auf den Tisch zu bekommen und so stellte allein das Essen etwas wirklich Außergewöhnliches dar. Entsprungen aus der Zeit des christlichen Fastens kehrten allerdings auch schlichte Gerichte wie Würstchen mit Kartoffelsalat auf den Speiseplan zurück. Heute sind die kulinarischen Gaumenfreuden zu Weihnachten breit gefächert und reichen von regionalen Spezialitäten über mehrgängige Menüs bis zu exotischen Speisen. “Vintage-Weihnachten” – das ist auch die Tradition des Backens und der außergewöhnlichen Naschereien, die zu früheren Zeiten besonders die Kinderherzen höherschlagen ließen. Damals wie heute besonders beliebt sind Christstollen, Zimtsterne, Vanilleplätzchen, Printen, Lebkuchen oder Spekulatius.

Weihnachten im Wandel

Die Zeit der Einkehr und der Besinnlichkeit innerhalb der Familie ging spätestens in den 1990er-Jahren in eine extreme Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes über. Ein Aspekt hierbei war die zunehmende Veränderung in der Gesellschaftsstruktur. Lebten Familien früher oftmals generationsübergreifend in einem Haushalt oder an einem Ort zusammen, so entwickelten sich zum Ende des 20. Jahrhunderts immer mehr Single-Haushalte und die individuellen Distanzen innerhalb der Familie nahmen stetig zu. In der heutigen modernen Zeit beginnt die weihnachtliche Reizüberflutung bereits im Herbst, wo die ersten Spezialitäten in den Regalen der Supermärkte Einzug halten und die Adventszeit bestimmt wird durch anhaltende Werbemaßnahmen, um den Konsum zu steigern. Große Versandunternehmen liefern alles zu jeder Zeit an jeden Ort. Die Straßenbilder der Städte sind bereits früh geprägt von der Festbeleuchtung, Dekoration und den vielen Weihnachtsmärkten. Vielerorts blieb diese ganz besondere weihnachtliche Atmosphäre zwar bewahrt, doch die persönliche Bindung des Familienfestes hat sich grundlegend verändert.

Quellen: Szeli ( Die Magie der Rauhnächte), Enzyklopädie „Winter Solstice“, Kulturgeschichte des Weihnachtsfestes (Goetheportal). Provita, Planet-Wissen.de

The CottageCore Shop
Mit Freunden teilen
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on pinterest